„Geh in das Land, das ich dir zeigen werde!“

(Gen 12,1)

Kirchenentwicklung 2030 ist langsam in aller Munde und kommt in den Gemeinden an. Nachdem die territorialen Bedingungen mit 36 Pfarreien neu umschrieben wurden, die Tandems der lokalen Projektkoordinator*innen weitestgehend gefunden sind und ein Kick-Off in Rastatt deren Startpunkt für den Beginn der Projektarbeit markierte, nimmt das Schiff in Richtung 2025/26 über die diözesane Pastoralkonferenz vom 25.-27. März 2022 langsam Fahrt auf.

Mit Blick auf den Perspektivwechsel und die Veränderungen die anstehen, verheißt es, eine stürmische Fahrt zu werden. Die Großwetterlage ist nicht immer leicht zu bestimmen (z.B. Synodaler Weg in Deutschland, Weltsynode) und es wird manche Untiefen (Kirchenvermögen, Kirchenaustritte, Transparenz von Kommunikatios- und Entscheidungsprozessen, Unverhandelbares, subjektive Bedürfnisse, Glaubensverlust) geben, deren Gefährdungspotential für einen miteinander gelingenden Prozess gut auszuloten sein wird.
Aber wir sind am Anfang und der Weg, der vor uns liegt, beginnt mit dem ersten Schritt, den wir zusammen und jede und jeder einzelne gehen werden. Und aus vielen Schritten wird ein Weg werden. Diesen gehen wir im Vertrauen auf Gott und er wird uns durch die sich stets wandelnde Gestalt von Kirche führen. Damit wir überzeugend(er) Kundschaft vom Evangelium, der frohen Botschaft in dieser Welt und in unserem direkten Umfeld geben können.
Dass dieser Weg kein leichter wird, macht schon die Erzählung von Jakob am Jabbok deutlich, die Dekan Lukas Glocker für das nun veröffentlichte Rahmenkonzept der lokalen Projekte meditiert hat. Jakob, der seinen Bruder Esau um das Erstgeburtsrecht betrog, ringt mit Gott an der Furt und wird zum Gottesstreiter Israel. Dabei vollzieht er einen elementaren Wandel, ohne die Nähe Gottes zu verlieren. Dekan Glocker formuliert dann weiter: „Wer einen solchen Wandel vollzieht, wer ehrlich mit Gott zu ringen weiß, der kommt nicht unverletzt an. Das Zurücklassen, das Loslassen, das Entscheiden, was sich nun bewähren soll, fordert seinen Tribut.“ Jakob kommt nicht ungeschoren davon, aber sein Ringen führt ihn gesegnet und gestärkt in die Weite. Wenn wir uns von der Botschaft Jesu anrühren und sogar verletzen lassen und vermeiden, uns gegenseitig zu verletzen, werden wir empfindsam für das Wirken des Heiligen Geistes und die Heilung, die er im Prozess immer wieder bringen kann.
Dabei wird es viel Trauerarbeit geben müssen, denn mit den Hochfesten Allerheiligen und Allerseelen wird uns im November schmerzlich bewusst, dass immer auch etwas Sterben muss (Herbst+Winter), um Neuanfänge zu ermöglichen (Frühling+Sommer). Die neuen Horizonte eröffnen sich durch ein persönliches Loslassenkönnen, möglichst getragen von der gemeinsamen Vision einer besseren Welt. Dann wird der Wind, der unserem Erzbischof im Video zur Kirchenentwicklung vor dem Freiburger Münster durch die Haare weht, kein alles vernichtender Sturm, sondern ein Zeichen des Wehens des Heiligen Geistes, das Jesus entspannt schlafen lässt. Nicht kleingläubig zu sein, ist dabei unser aller Job.
Wolf-Dieter Wöffler
Pastoralreferent