Leben im Hier und Jetzt

27.01.2022 |

„Ich würde ja schon gern einiges anders machen, aber . . .“ –
„Das geht jetzt nicht, weil ich vorher noch . . .“ –
„Dafür fehlt mir momentan die Zeit.“ –
Leben im Konjunktiv. Davon sind wir viel bestimmt.
Seit der Corona-Pandemie erst recht.
Zurzeit sollen wir weiterhin auf viele Kontakte verzichten.
Sollen uns weiterhin einschränken in unserem Leben.
Für Christinnen und Christen auf der ganzen Welt beginnt am 02. März
mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit – eine Zeit des Verzichts.
Als ob wir momentan nicht schon auf vieles verzichten müssen.

Es gibt ja tatsächlich widrige Umstände, über die man nicht einfach hinweggehen kann.
Die Frage ist: Fixiere ich mich auf das, was mich blockiert?
Oder entdecke ich den Spielraum, den ich trotzdem habe?
Probehalber etwas anders zu machen – auch wenn es schwerfällt – kann die Entdeckung mit sich bringen, dass es anders besser sein könnte. Eine Weile das zu vermeiden, womit wir sonst viel Zeit verbringen und uns besonders im Wege stehen, das setzt Kräfte frei.
Es ist leicht, das zu sehen, was uns bedrückt. Aber man kann auch einen Lichtstreif entdecken. Licht, das Hoffnung bringt und uns daran erinnern kann, dass nicht alles trist und grau ist. Wenn wir Mut haben, die Perspektive zu ändern, können wir neuen Spielraum entdecken.
Nicht leben im Konjunktiv, sondern: Leben im Hier und Jetzt! Darum geht es in der Fastenzeit. Mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und mich von dem befreien, das mich von der Suche nach innerer Ruhe und Gelassenheit, vom Gebet zu Gott abhält.
Wir können die Fastenzeit dazu nutzen, das zu suchen, was unseren Tag hell macht, und wir können uns sicher sein, dass wir dabei nicht allein sind.
Ich wünsche Ihnen für die Fastenzeit gute Erkenntnisse und besondere Augenblicke der Nähe Gottes.
Stephan Sailer, Pfarrer