Ostererfahrungen

29.03.2018 |

Pfarrer Stephan Sailer
Während der Frühling in diesem Jahr noch auf sich warten lässt, feiern wir an Ostern das Fest der Auferstehung Jesu Christi. Dieses kirchliche Fest gerät aber leider zu schnell wieder in den Hintergrund und spätestens nach den Erstkommunionfeiern fällt die Osterzeit aus dem Blickfeld. Dabei dauert die Osterzeit 50 Tage lang! Aus diesem Grunde lade ich uns ein, das Osterfest und seine Bedeutung genauer zu betrachten:

Das Osterfest hat seinen Vorläufer im jüdischen Pessach: An ihm wird der Auszug des Volkes Israel aus dem „ägyptischen Sklavenhaus“ gefeiert. Das Pessach-Lamm wurde bis zum 14. des Monats gehütet und dann geopfert. In dieser Tradition lebte auch Jesus von Nazareth, als er im Rahmen seiner letzten Pessach-Feier das Abendmahl mit seinen Jüngern hielt.
Die Bibel gebot den Juden, Pessach sieben Tage zu feiern. Im Exil entwickelte sich der Brauch, acht Tage in der Diaspora zu feiern, um sicherzugehen, dass alle Juden zur gleichen Zeit feiern. Die christliche Festzeit, die Oktav, also eine Festzeit von acht Tagen, hat hier ihr Vorbild. Die Mazza, das ungesäuerte Brot au0 Mehl und Wasser, das für die Pessach-Feier gebacken wurde, war Vorbild der Hostie, des eucharistischen Brotes der Christen.
Der wohl älteste literarische Beleg für das Wort „Ostern“ findet sich bei Beda Venerabilis im Jahr 738 mit „Eostro“. Das Wort bedeutet Morgenröte und ist von dem Wortstamm „ausos“ abgeleitet, der im Griechischen zu „eos“, Sonne, und im Lateinischen zu „aurora“, Morgenröte, geführt hat. Im Althochdeutschen bildete sich Eostro zu „ôstarum“ und im Altenglischen zu „eastron“. Der kirchenlateinische Begriff „Pascha“ oder „Passah“ wurde seit jeher mit Ostern gleichgesetzt.
Das Fest der Auferstehung ist nicht nur das wichtigste und höchste Fest der Christen, es umfasst auch das Triduum Paschale von Karfreitag, Karsamstag und Osternacht, den Gedächtnistagen vom Leiden und Sterben, der Grabesruhe und der Auferstehung Christi.
Wir Christen können unsere persönlichen Glaubenserfahrungen in Verbindung bringen mit dem Osterereignis. Die christliche Autorin Andrea Schwarz bringt es aus ihrer Perspektive zum Ausdruck:
„…Jesus geht aus dem Tod zum Leben – und er nimmt uns mit. Aufstehen!
Aufstehen aus meiner Geducktheit, meiner Zerbrochenheit, meinem Dunkel. Er packt mich am Handgelenk und führt mich dem Licht des Ostermorgens, der Auferstehung entgegen. Und seine Liebe umgibt mich. Und ich entfalte mich. Ich atme auf, gehe dem Licht entgegen. Ich lasse los, was mich festhält. Ich werfe ab, was mich duckt und klein macht. Auferstehung ist nicht damals und dort – das ist hier und jetzt!
Auferstehung geht durch den Tod hindurch – und will das Leben.
Und Auferstehung meint mich. Es ist meine Entscheidung.
Leben und Tod lege ich dir vor – du aber wähle das Leben! – Steh auf! “
(aus: Andrea Schwarz, Gott lässt grüßen. 52 Entdeckungen)

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Osterzeit mit frohen, österlichen Erfahrungen.

Stephan Sailer, Pfarrer